eine woche born in kleinem häuschen, boddenblick, mit dem fahrrad zum weststrand, teeschale, in prerow fisch bei rennhack, abends (na gut kein rotwein, aber immerhin) apfelschorle auf der terasse. das ersehnte meer. so sollte das sein. nach einem fiesen wochenende mit bauchweh und angst, sah man dann vom krankenhausfenster aus immerhin die haftanstalt, wecken morgens um 6:30 zur intravenösen therapie, doppelzimmer, eine labbrigen teebeutel in lauwarmen wasser als frühstücksgetränk, dazu komissbrot mit edamer. bei der medizinischen versorgung haben sie sich mehr mühe gegeben. ich könnte trotzdem kotzen. von meinem sofa aus merke ich, dass es langsam herbst wird: die ranken färben sich rot und die bäume wiegen sich wilder im wind. alles geht langsamer, es schöpft sich nicht mehr aus den vollen. die sehnsucht ist größer als die möglichkeiten. ich habe jetzt schonfrist und nach der schonung ist winter. dann kommt das kind, dann habe ich wieder schonfrist und dann geht es schonungslos weiter. das ist also die freudige erwartung, die gute hoffnung, das mutterlos: tragen ist ertragen. lasst mich in ruhe mit den beschwichtigungen (das gehört eben dazu, man kriegt ja auch was dafür - ruh dich mal richtig aus, später kommst du nicht mehr dazu - deine probleme möchte ich haben, wochenlag frei bei vollem gehalt), mein eigenenes schlechtes gewissen ist bergehoch: wenn sich die unzufriedenheit (ich will arbeiten, ich will aktiv sein, ich will mich nicht verändern, ich will ich will ich will) über mir auskippt tonnenschwer, was sage ich dann dem kind. jetzt kriegt es die schlechten gefühle und wird später lesen im virtuellen archiv, dass ich das so nicht gewollt habe. also kind, nicht dich nicht, aber das nicht. so nicht. deine mutter ist eine anpassungslegasthenikerin. die stellt sich nicht einfach von heute auf morgen um. reicht schon das wort: mutter. was hat das mit mir zu tun? für diesen zustand habe ich kein programm, keine sehnsuchtsbilder, nur nackte realität, die mich täglich in die schranken weist. dass das jetzt so nicht mehr geht. aber wie dann? keine flasche rotwein für eine weile seelenfrieden, kein meer für den klaren blick. der koffer bleibt unter bett. ich komm hier nicht mehr raus. ich kann nicht mal kurz wegrennen. mir fehlt die puste. und der lange atem. was soll ich mich aufhübschen, wenn man mir doch ansieht, dass ich für nichts mehr in frage komme. ich lasse mein geld jetzt im babyausstatter und im umstandsmodeshop. das hilft nur bedingt gegen den frust. das ist nur einer von den kompromissen. das, was eben geht. und gegen das alles sind deine kleinen gliedmaßen, mein kind, das einzige argument: purzelbäume im bauch. kleine glücksgluckser, die unbeirrt all meiner inneren kapriolen ihren eigenen rhythmus zappeln. du wächst und übst für das leben draußen. und ich soll dir dann erklären wie das geht: das leben. das machen wir. nächstes jahr, wenn wir am meer sitzen bei leisem wellenrauschen und du hast sand im mund und kannst lauter kreischen als die möwen. dann gieß ich mir ausnahmsweise noch ein zweites glas nach und sage: guck doch mal, wie schön das ist! und du seufzst ein bisschen, sagst babababa und alles ist gut.
Mittwoch, 25. August 2010
Freitag, 6. August 2010
entschuldigung, das muss mal sein
du sollst sagen, dass du glücklich bist
du sollst, sagen, dass du dich freust
du sollst gelassen sein
du sollst (moderat) sport treiben
du sollst dich gesund ernähren (keine alkohol trinken, keine rohmilchprodukte essen)
du sollst dreimal am tag deinen bauch ölen und massieren
du sollst auf deine atmung achten
du sollst jedem sagen, wann es soweit ist und was es wird
du sollst dir all die geschichten anhören
du sollst nicht immer nur DARÜBER reden
du sollst motiviert arbeiten
du sollst noch ganz viel schaffen wollen
dann sollst du nicht mehr arbeiten (wollen)
dann sollst du dich ganz auf deine neue rolle konzentrieren
das sollst du wirklich wollen (es ist die schönste zeit im leben!)
du sollst deinen partner einbeziehen
du sollst auch partnerin bleiben
du sollst erotisch wirken
du sollst weiter sex haben
du sollst gummizughosen mit würde tragen
du sollst gut informiert sein
du sollst alles regeln
du sollst die veränderung bejahen (alles wird anders!)
du sollst auf alle schwierigkeiten gefasst sein (glaub bloß nicht, dass das einfach wird)
du sollst noch einmal alles machen, wozu du dann nie mehr kommst
du sollst die zeit genießen
du sollst nicht jammern (du hast jetzt verantwortung!)
du sollst den ganzen tag lächeln
man soll es dir anssehen
du heißt jetzt mama mutti unsere schwangere
du bist jetzt eine von denen
du kannst dein ego abgeben (wird nicht mehr gebraucht)
du hast es schließlich so gewollt
du sollst, sagen, dass du dich freust
du sollst gelassen sein
du sollst (moderat) sport treiben
du sollst dich gesund ernähren (keine alkohol trinken, keine rohmilchprodukte essen)
du sollst dreimal am tag deinen bauch ölen und massieren
du sollst auf deine atmung achten
du sollst jedem sagen, wann es soweit ist und was es wird
du sollst dir all die geschichten anhören
du sollst nicht immer nur DARÜBER reden
du sollst motiviert arbeiten
du sollst noch ganz viel schaffen wollen
dann sollst du nicht mehr arbeiten (wollen)
dann sollst du dich ganz auf deine neue rolle konzentrieren
das sollst du wirklich wollen (es ist die schönste zeit im leben!)
du sollst deinen partner einbeziehen
du sollst auch partnerin bleiben
du sollst erotisch wirken
du sollst weiter sex haben
du sollst gummizughosen mit würde tragen
du sollst gut informiert sein
du sollst alles regeln
du sollst die veränderung bejahen (alles wird anders!)
du sollst auf alle schwierigkeiten gefasst sein (glaub bloß nicht, dass das einfach wird)
du sollst noch einmal alles machen, wozu du dann nie mehr kommst
du sollst die zeit genießen
du sollst nicht jammern (du hast jetzt verantwortung!)
du sollst den ganzen tag lächeln
man soll es dir anssehen
du heißt jetzt mama mutti unsere schwangere
du bist jetzt eine von denen
du kannst dein ego abgeben (wird nicht mehr gebraucht)
du hast es schließlich so gewollt
Freitag, 30. Juli 2010
wo wir sein werden
im august werden wir endlich wieder im fellas sitzen und schnitzel verspeisen (nur der gatte), zander auf berglinsen (nur ich) oder schwabenkraft. wir werden endlich wieder gut und vertraut essen und wissen wo wir hinwollen sollen. wir sind (fast) echte berliner, wir sind treue seelen, wir essen nebenan, wir gehen immer die gleichen wege, wir wollen nichts neues. wir wollen das alles immer so schön bleibt wie es schon die letzten zehn jahre war. wir wollen uns nicht entscheiden müssen. abschied fällt uns schwer. unser herz blutet bei jedem neuen conceptstore. wir wollen den alten schreibwarenladen zurück. die hippe city kann uns mal. in der neuen schönhauser sind wir touristen. bei rainer und renate sind wir zuhause, weil das frühstück dort ohne schnickschnack ist, dafür mit liebe gemacht. weil die bratwurst mit geduld gegrillt wird, weil die kinder hier anschreiben lassen und einen fußball borgen. so soll es sein.
Mittwoch, 28. Juli 2010
wendland
wir warn im wendland jewesen. war schön jewesen. da warn wa vorher noch nie jewesen. das wendland ist sozusagen das gegenteil von dem, wo ich immer (gewesen) bin. das gegenteil von ostsee und uckermark, mecklenburger seenplatte und thüringer wald. als uns auf dem weg nach frauenwald zum wintersport (ja - es gab zeiten als im thüringer wald noch schnee lag) oder in die darsser sommerfrische noch die zündkerzen durchbrannten und wir kirchendächer reparierten, um einen urlaub am see zu ergattern, als wir in der laube von hubert und anita in karve einen ganzen sommer verbracht haben bis ich schwimmen konnte und vaddern und ich in der morgenfrühe einen ganz dicken fisch an der angel hatten, den dann keiner essen wollte, geschweige denn ausnehmen (das machte bei uns sonst immer herr gieske aus dem 10. stock, der war chirurg und hatte diesbezüglich keine berührungsängste), da haben die westberliner auch den nächstmöglichen ausgang aufs land gesucht und höfe ausgebaut, dass es nur so eine pracht hat. und gegen das endlager und den castor gekämpft. nee, sagt meine mutter, das wäre mir da nüscht mit den ganzen strahlen, man weiß ja nie. und die ganze alternativkultur und so ein anderer geist. ein himmelweiter unterschied: lüchow und wittenberge. kleine schmuckläden gegen vietnamesische blusen. vollkornkuchen gegen billigbäcker. geld gegen frust und land genug für alle, für manche zuviel. zum grundstück gabs meist noch ne wiese und nen acker und nen wald. aber auch jede menge träume dort und hier: gejammer meist. der westen, die berliner, die kultur. fremd alles und was der bauer nicht kennt. und da können noch so viele hauptstädter aufs land ziehen. die kriegen nur mit mühe einen fuß auf den boden - das setzt sich nicht durch. noch nicht. dabei wäre das doch eine prima alternative. wenns nicht nur sommerhäuser wären. aber da ist zu viel unabgeschlossene vergangenheit. da kann man nicht einfach kommen und bleiben. da muss man zuhören und verstehen. hier wie dort stehen die türen offen, legt man uns zucchini in die taschen für die heimfahrt, borgt uns die feuerwehr ihre bierbänke fürs große fest. hier wie dort trifft stadt auf land, bleibt man sich im zweifel doch fremd. und hier wie dort verkaufen unsere eltern ihre lang und liebevoll bebauten güter, wer will schon alt werden auf dem land. hier wie dort gehen die jungen weg: aus perspektivlosigkeit die einen, aus überdruss die anderen? kinder von verschiedenen eltern. verschiedene geschichten. die müsste man sich erzählen. und wir? in uns mischen sich die geschichten. wir sind dort willkommen und hier zuhause. wir bewegen uns zwischen den welten. schauen mühsam über den rand. bei arendsee habe ich mich zum ersten mal geirrt. hab gedacht, wir sind schön drüben. dabei warn wir noch hier.
Montag, 12. Juli 2010
pankower sommer
wir fluchen von oktober bis mai über die nordseite im ersten stock: nicht zu gebrauchen das schöne parkettzimmer, stockdunkel, arschkalt, unter uns wohnt keiner, neben uns wohnt keiner, im frühling auch noch grüne bäume davor - wer hält das aus?
seit tagen fröhnen wir der kühlen brise, die aus dem wunderbar kühlen, schattigen zimmer weht. auch die vorhänge haben wir zugezogen und machen es uns bei gepflegten 23 grad gemütlich. wir müssen nicht raus, wir haben viele neider. an unserem fenster ziehen die armen geplagten freibadjunckies vorbei, die glauben, man könnte da um 12 uhr mittags noch einen platz im wasser finden. ich gieße eine eisgekühlte schorle nach, räkel mich auf dem bett und denke: guck doch mal wie schön das ist!
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