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Mittwoch, 29. Dezember 2010

literaturkanon

ich sage noch: les ick nich, diese bildungsbürgerliche kanonliteratur mit den lang(atmig)en sätzen aus westdeutschen bücherregalen. kein thomas mann und das ganze zeug - das kommt mir nicht ins haus. der gatte findet, dass es gut ist klare meinungen zu haben, enthebt sich aber jedes kommentares. dann hab ich mich doch festgefressen an den buddenbrooks. buch stand lesebereit im regal, aufbauverlag, 12 mark und roch staubig nach dem dicken bücherschrank meiner eltern. am frühstückstisch erläutere ich berufsbedingt kundig das erste kapitel und merke an der stockenden diskussion, dass dem angetrauten schwäbischen arztsohn das  werk gar nicht vertraut ist. schwierig schwierig mit den identitäten und schön, dass es nach langen ehejahren literarisch noch einiges zu entdecken gibt. ich erinnere mich an den alten antiquar aus der großen hamburger, der mir zwanzigjährig einmal sagte, es gäbe zur förderung einer langlebigen beziehung keine bessere anschaffung als eine goethe-gesamtausgabe. da hätte man - wenn längst alles gesagt wäre - im alter noch viel gesprächsstoff. goethe ham wa zum glück ausreichend vorrätig.

Donnerstag, 25. November 2010

солнце светит

immer wenn morgens durch mein nordfenster ein kleiner strahl warmen lichtes zu erhaschen ist, springe ich euphorisiert aus dem bett und alle depression ist wie weggeblasen. ich denke dann immer an die ersten zehn minuten des russischunterrichts, wo wir datum und wetterlage benennen mussten und ich denke an den einzigen vollständigen satz, den ich außer der verkündung meines namens noch im aktiven sprachgebrauch habe: солнце светит, дождь не идет. Доброе утро, товарищu!

Montag, 6. September 2010

in erwägung unsrer dummheit

angesichts der morgendlichen zeitungsschau bin ich sprach- und ratlos: warum kommentiert frau schwarzer der kachelmannprozess in bild? der frühstücksdirektor vermutet noch so etwas wie missionarischen ethos, ich tippe schlicht auf geldgier. so viel zum thema: ideale verraten. die regierung (darf man das, was da das land aus der, na sagen wir mal: demokratie reitet, noch so nennen?) hat da weniger probleme, weil nie ideale gehabt. blanker lobbyismus. und ewig strahlt das atomkraftwerk. das wollen die uns jetzt als große stunde der ernergiepolitik verkaufen. für wie blöd haltet ihr uns? klar, wenn bild das bild-un(g)s-niveau schafft, auf das wir uns jetzt einigen wollen, dann schlage ich vor, kostenlose bildzeitungen an integrationsunwillige migrant_innen zu verteilen. und sarrazin braucht sowie einen neuen posten. ehrlich gesagt, finde ich zynismus aber nicht mehr die richtige strategie. es reicht auch nicht zu sagen, dass wir nicht mehr einverstanden sind. es ist zeit, dass wir euch jetzt öffentlich in den arsch treten, denn ich möchte nicht, dass meine kinder und enkel in einem land aufwachsen, in dem mehr als die hälfte aller menschen befürworten oder nicht mal mitbekommen, dass der ausverkauf der werte das gewissen kostet. "das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen": ökonomie hat mit ethik nichts (mehr) zu tun. wer nicht bereit ist, sich den grundrechten der menschlichkeit und einer demokratischen verfassung verpflichtet zu fühlen, der hat hier keine entscheidungen zu treffen. da müssen wir ganz früh anfangen und ich pläderiere für die politisch-moralische zwangsbildung bereits der allerkleinsten kinder von cdu- und fdp-wähler_innen, wirtschaftsbossen und vorstandmitgliedern. und im morgenkreis sprechen alle nach: du sollst nicht lügen, du sollst nicht töten, du sollst deinen nächsten lieben wie dich selbst! und wer das im vorschulalter noch nicht begriffen hat, der macht noch mal einen kurs.

Sonntag, 25. April 2010

keine nabelschau

schreib doch mal was über die weltlage, was politisches, nicht immer nur diese nabelschau,  der ganze alltagskram, sagt mein liebster leser. was soll ich denn da schreiben? im moment ist die weltlage doch schief wie immer, was ich wenig empörend und betörend finde. soll ich dazu auch noch was sagen: zu polen, afghanistan, missbrauchsskandal? reden doch alle von und die argumente werden auch nicht besser. bei den polen ist das wohl opfer-karma. was sollen soldaten in afghanistan? was will und soll eine katholische kirche, die gegen jede kritik erhaben ist? 

ich bin, was die katholische kirche betrifft, vorbelastet. ich werde nahezu ausfallend, wenn von der katholischen kirche die rede ist. besonders, wenn es um pädagogik und katholische kirche geht. feige vertuscher und verweigerer. entschuldigung, ich hatte gewarnt. kopfeinzieher und wegseher, devote erdulder, frauen- und körperfeinde und das alles im namen christlicher religion. schämt euch. schämt euch und nehmt endlich gestalt an. verhaltet euch. lasst kritik zu, werdet selbst kritisch, macht kritisch. hört auf zu glauben an alte männer und ihre dogmatismen, werdet lebendig, seid frei. ich weiß,es ist ja nur die große angst. aus angst habt ihr uns damals eingeschlossen in der schule als die demonstrierenden schüler vorbeizogen für unser land, gegen den golfkrieg. aus angst habt ihr den mund verboten und tadel erteilt, wo ein offenes wort so nötig gewesen wäre. aus angst habt ihr euch nicht verändert und dann, als es nicht mehr zu ändern war, so streng an die regeln gehalten, dass uns der abidurchschnitt flöten ging. aus angst habt ihr die musiklehrerin entlassen, als sie sich scheiden ließ von einem mann, der sie nach 25 jahren ehe wegen einer jungen frau verlassen hatte. da ward ihr ganz solidarisch mit den regeln. und es kam ein anderer musiklehrer, ein religionslehrer, der exerzitien für schüler_innen angeboten hat und gesprächskreise für eltern. zum glück war das nach meiner zeit. ich dachte immer, nur mir habt ihr den glauben versaut. ich wollte sowenig identifikation wie möglich mit diesem laden. ich wollte euch nur vergessen. dann habe ich mich doch entschlossen nach 15 jahren alle wiederzusehen. und da waren wir uns fast alle einig. wenigstens wir. und das war traurig und schön.

das politische ist eben auch immer privat. ich bin nicht die frau fürs allgemeine. geschichten machen geschichte.

Dienstag, 9. Februar 2010

schwerer traum

heute nacht im traum hatte ich ein verhältnis mit bambi lindner. er war als untermieter bei meiner besten freundin eingezogen, wohnte also gleich um die ecke - wir kamen uns sehr nahe. es war sommer und er küsste gut. ich erzählte ihm auch, dass ich ihm schon ein gedicht geschrieben hatte in meinem blog. dann kamen wir auf seine politische gesinnung zu sprechen und stellten fest, dass wir nicht zueinander passten. aber wir waren verliebt und er knabberte zärtlich an meinem ohr. ich nahm ihn mit zu einer diskussionsveranstaltung an der universität. wir trafen meinen mann, dem ich noch nichts von meinem techtelmechtel erzählt hatte. bambi bekam angst und lief weg. ich war so froh, dass ich mit meinem klugen mann auf dieser diskussionsveranstaltung saß, dass ich bambi schnell vergaß und mit meinem mann in die sommerferien fuhr. wir bekamen viele kinder.

ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so einen schwachsinn träume? ich denke, der traum taugt als politische parabel und hat eine ganz einfache moral: auch wenn die fdp aus naheliegenden gründen versucht das richtige zu tun und sich mit einer rothaarigen (!) frau auf ein kleines gemeinsames, sagen wir: arrangement - sprich eine herzensangelegenheit  (das herz schlägt ja bekanntlich links) - einlässt, scheut sie den konflikt mir dem rivalen und nimmt bei der kleinsten gelegenheit reisaus. die  linke sollte sich auf ihre traditionellen werte besinnen und sich entspannen - das trägt früchte und zwar nachhaltig. kurz: schnelle, leidenschaftlich vorgetragene lösungen sind den bewerten institutionell verankerten konzepten nicht vorzuziehen, ergo: junge männer machen spaß, taugen aber lebenspraktisch nichts. 

oder wofür steht mein mann? und warum wohnt bambi bei meiner freundin? beherbergt meine  freundin den neoliberalismus etwa als meine teuflische versuchung, der ich nur unter rückbesinnung auf gottes allumfassende weisheit und liebe widerstehen kann? welche rolle spielt die universität? heidewitzka.

Mittwoch, 30. Dezember 2009

abmeldung

im nächsten jahr werde ich mir verschiedene neue schreibstile zulegen, damit keiner mehr weiß wer ich bin, wenn ich was schreibe. und da eröffnen sich dann ja auch so viele möglichkeiten: ich könnte unter verschiedenen namen mit verschiedenen texten verschiedene karrieren machen. ich könnte meine verschiedenen texte verschieden rezensieren. ich könnte alle texte sein und keiner. und ich muss mich nicht mehr entscheiden und bin nicht mehr auf mich zurückgeworfen. ich bin dann eine unendliche stilrepräsentationsmaschine. und endlich verabschieden wir auch das spiel mit der authentizität und das originalitätsparadigma und die factfiction-debatte. wir müssen darüber nicht mehr reden und schreiben. wir müssen nichts mehr sein: du bist nicht mal mehr ein text, du bist viele texte oder keiner und es schlägt nichts mehr durch. und die historiker gehen baden. ach selige postpopmoderne. ach schönes neues jahr.