den ersten schnee liebe ich immer, aber dieses jahr liebe ich den ersten schnee besonders. denn ich muss nicht die mütze tief im gesicht, schalvermumt und eisbeinig auf dem bahnhof zittern, wo nichts fährt und dann alles niest - ich muss überhaupt nicht raus. ich sehe vom gemütlichen sofa aus, eine tasse pfirsichtee in der hand, dem leisen flockentreiben durch dicke scheiben zu und kümmere mich in meiner buddharuhe nicht um die heizkosten (mir ist sowieso immer warm in letzter zeit). ich stopfe ein paar selbst gebackene plätzchen in mich rein und fühle mich wie tiger und bär in panama - so gut wie nie. brüten kann auch schön sein. vielleicht stapfen wir dann nachher doch noch durch den weißen park und ich mache erste tapsen in eine noch unberührte schneedecke. dann sage ich zu dem kleinen zauberbärchen, dass gerade noch viel fett zulegt für die kommenden kalten tage in der außenwelt: guck doch mal, wie schön das ist!
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Donnerstag, 2. Dezember 2010
Donnerstag, 25. November 2010
солнце светит
immer wenn morgens durch mein nordfenster ein kleiner strahl warmen lichtes zu erhaschen ist, springe ich euphorisiert aus dem bett und alle depression ist wie weggeblasen. ich denke dann immer an die ersten zehn minuten des russischunterrichts, wo wir datum und wetterlage benennen mussten und ich denke an den einzigen vollständigen satz, den ich außer der verkündung meines namens noch im aktiven sprachgebrauch habe: солнце светит, дождь не идет. Доброе утро, товарищu!
Samstag, 30. Oktober 2010
guter morgen
es ist donnerstag kurz nach zehn. auf dem pankower s-bahnhof fährt die bahn in richtung blankenfelde ein. am zug steht: potsdamer platz. ein unüberhörbares murren ertönt aus der menge der einsteigenden fahrgäste. scheiß bahn, könn die nüscht ansagen, ick könnte kotzen. man setzt sich widerwillig. der zug setzt sich in bewegung. ein knacken in der lautsprecheranlage: "achtung liebe fahrgäste, hier kommen einige informationen von ihrem wagenführer. es ist 10 uhr 7, die s-bahn verkehrt planmäßig. heute haben wir den 28. oktober, es sind 10 grad bei wolkenlosem himmel. das wetter wird heute so bleiben und am wochenende schöner werden. ich wünsche ihnen alle eine angenehme fahrt. für alle, die heute noch arbeiten müssen, ein besonderer tip: bleiben sie fröhlich und gelassen, dann klappts auch mit dem chef." (wortlaut aus der erinnerung, original war länger) der wagen schmunzelt, der junge mann gegenüber nimmt die kopfhörer ab und beginnt schallend zu lachen. beschwingt verabschieden sich einige fahrgäste an der bornholmer mit "einen schönen tag noch!". nur die alte dame mit den einkaufsbeuteln skandiert: "aber dit se nur bis potsdamer fahren, davon keen ton." aber das will schon keiner mehr hören. ein hoch auf die marketingetage der deutschen bahn. so kundenfreundlich war nie. wir fahrn jetzt öfter ohne meckern. und der fahrer kommt auf die straße der besten.
Freitag, 10. September 2010
gedankenspiele
wenn ich am schreibtisch sitze und nicht arbeite, dann beschäftige ich mich meistens mit mir selbst. ich denke an den streit am morgen, die lage der dinge, ich habe angst, vor dem was kommt. ich versuche die angst einzudämmen, indem ich gedanklich strategien entwickle. dann plane ich. ich suche eine neue wandfarbe aus, ich sehe mir wohnungen in bundesdeutschen städten an, in die es uns vielleicht einmal verschlagen wird, ich lese stellenanzeigen. ich sortiere gestreifte strampler in den warenkorb eines ökoversands, kaufe sie aber nicht, weil ich ja nicht weiß, wie groß das kind wird, aber ich bin dann vorbereitet. ich weiß über alle badschnellheizer bescheid, ich habe schon die kochrezepte für die wochenbettphase rausgesucht und den ordner vorbereitet mit den verschiedenen anträgen. das ist jetzt kein akutes problem der schwangerschaft, das ist immer so. mein kalender ist voll geschrieben und mit kleinen farbigen klebezetteln gespickt, die ich dann entfernen kann, wenn dinge erledigt sind oder umklebe, wenn sich herausstellt, dass das stellenprofil erst in der nächsten woche im sekretariat liegen muss. meistens habe ich bereits kleine notizen zu anstehenden problemen gemacht: lösungsvorschläge, gedankensplitter - die stehen auch im kalender. was ich auf lose zettel schreibe, vergesse ich wieder. die dinge fliegen mich so an, ich konzipiere sie dann. wenn es akut wird, habe ich wenigstens schon mal darüber nachgedacht. leider führe ich seltener aus als ich entwerfe. ich bin ein strukturierungsgenie, ich spinne gedankengebäude, ich durchdenke. ich habe meist kein großes interesse an der umsetzung. ich kann eine umsetzung organisieren (oh, da bin ich gut), aber selber machen? leider konzipiere ich auch für andere. ich habe deren leben schon durchdacht, da haben die noch nicht mal das problem erkannt. ich sage dann: folgendermaßen solltest du es machen, schlage bedenken in den wind (habe ich schon bedacht) und bin schrecklich enttäuscht, wenn meine so gut gemeinten ideen nicht angenommen, ja sogar abgewehrt werden. die sind noch nicht so weit, denke ich dann und sehe schon mit ungeduld die folgen ab. dann kommen die tage, an denen alles gut durchdacht scheint. es gibt für alles einen plan a b c und (halbfertig) d. jetzt könnte ich mich ruhig hinsetzen und ein bisschen wissenschaft betreiben: eine datei öffnen und an einer textstelle weiterarbeiten dann passiert was. das hatte ich noch nicht bedacht. ich werde unruhig, die gedanken schweifen ab. ich beginne zu überlegen, wie ich dazu stehe und wie man am besten... so wird nichts mit der karriere. wie soll man sich auch fokussieren, wenn man so viel im kopf hat?
Montag, 12. Juli 2010
pankower sommer
wir fluchen von oktober bis mai über die nordseite im ersten stock: nicht zu gebrauchen das schöne parkettzimmer, stockdunkel, arschkalt, unter uns wohnt keiner, neben uns wohnt keiner, im frühling auch noch grüne bäume davor - wer hält das aus?
seit tagen fröhnen wir der kühlen brise, die aus dem wunderbar kühlen, schattigen zimmer weht. auch die vorhänge haben wir zugezogen und machen es uns bei gepflegten 23 grad gemütlich. wir müssen nicht raus, wir haben viele neider. an unserem fenster ziehen die armen geplagten freibadjunckies vorbei, die glauben, man könnte da um 12 uhr mittags noch einen platz im wasser finden. ich gieße eine eisgekühlte schorle nach, räkel mich auf dem bett und denke: guck doch mal wie schön das ist!
Samstag, 24. April 2010
burnout kann mich mal
endlich krank. schnupfen und husten, dass es nur so eine freude ist. keine arbeit: zu schwach. alle termine abgesagt: kann ja nicht. alle sorgen bleiben draußen: müssen sich andere kümmern. alle lieblingsspeisen auf zuruf serviert. schon drei anrufe mit genesungswünschen. wenig aussicht auf besserung. wunderbar!
Mittwoch, 21. April 2010
ich will nicht, dass sich was verändert
ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was verändert, ich will nicht, dass sich was ver
Dienstag, 20. April 2010
nachtflugangst
ich habe eben mein erstes flugzeug gehört. ach, was waren das für zeiten. heute soll es so weit sein: sie sollen die ganz nacht durch fliegen. also fenster zu, wenig schlaf, wackelndes bett. das zweite flugzeug (ach, es sind nur die ausnahmeflüge, aber bald), das dritte: hör ich schon geister oder sind das autos auf kopfsteinpflaster? wie wäre es mit einer großräumigen straßensperrung rund um die schlossparkgebiete? nur für fahrräder durchlässig? heute abend kommt der mann von der mieterverwaltung. wir könnten das mal ansprechen. wäre ja in beiderseitigem interesse.
Samstag, 27. März 2010
abwesenheitsnotiz
es ist absolute funkstille im zauderblog. frau zauder hat nämlich gearbeitet bis zum kopfplatzen und ist dann am ende des erzählens angelangt. nun: erleben ohne davon zu erzählen. totale sprachverweigerung: nichts rein nichts raus. und bitte kein publikum jetzt, weil wo publikum, da erwartungshaltungsdruck. energieaktivierung erfolgt mit wanderschuhen dort, wo der rotwein gut und der frühling schon ein alter hase ist. vielleicht schickt das fräulein grüße. im april gehts weiter.
folgende texte bleiben vorerst ungeschrieben:
- bis einer heult oder: ohne hierarchie gehts nie - innenansichten der deutschen wissenschaftskultur
- frühlingserwartung - vom ende der sehnsucht in der zeit danach
- frau kuby macht mobil
- platzende hirsche
- selbstbesichtigung
Donnerstag, 11. März 2010
dazwischen
geschafft: eine ganze seite vortrag
gefunden: essay von julie zeh zum auktorialen ich
geplant: auslassungen über frau kuby (coming soon)
gehört: mal wieder das unvergleichliche hallelujah (auch schön in der version von regina spektor)
gewartet: (vergebens) auf den postboten mit dem paket von globetrotter
Freitag, 5. März 2010
o fortuna
ich habe gewonnen, ich habe bei einem gewinnspiel mitgemacht und: gewonnen! ehrlich, das ist mir noch nie passiert. ich bin die, die auf dem weihnachtsmarkt immer 20 lose gekauft hat: alles nieten. die anderen kinder zogen mit den plüschtieren ab, ich hab geheult. jetzt habe ich gewonnen und werde ab jetzt an jedem gewinnspiel teilnehmen: büchergutscheine, wellnessreise, hightech-handy. das war die initiation. ich kann es! das glück ist auf meiner seite. das "unstet wankelmütig glück" (beliebte narrative formel im frühneuhochdeutschen prosaroman) - ich habs im sack. so. heute abend rufe ich bei usfo an und gewinne den toyota. ich bin auf der siegerspur. ihr seht mich im kino. ich bin die mit dem schönen mann und den zwei eistüten. chaka!
andererseits: man soll das glück nicht reizen. ich kenn den laden. glück im spiel, pech in der liebe. dabei läufts doch gerade so gut. aber hochmut kommt vor dem fall. als ich das letzte mal glücklich war und mir alles gelang, kams danach wirklich schlimm, sehr lange sehr schlimm. ich bin doch nicht bescheuert. ich fordere das schicksal nicht heraus. ich bin sowieso schon viel zu lange viel zu gut drauf. dabei verhieß das horoskop für dieses jahr doch alles, nur keine kontinuität. aber gerade: liebe, arbeit, leben = wunderbar hoch drei! jetzt noch die kinokarten gewonnen. ist das ein test? dann werde ich die kontingenzmaschine austricksen: wer meine kinokarten haben will...
andererseits: fortuna lässt sich nicht bezwingen und beherrschen. auch nicht mit einer guten strategie. ich habe einen freund, den haben drei schicksalsschläge in einem jahr getroffen, wo er doch schon beim ersten dachte, er hätte sein lebenssoll erfüllt. die schlimmerkannsnichtwerden-logik versagt oft. warum soll es nicht andersherum auch funktionieren: es kann noch viel besser werden. ich begnüge mich nicht mit der einfachen zufriedenheit, ich nehme jetzt alles mit, was ich kriegen kann. es ist meine zeit. wer weiß wie lange. ich halte mich doch jetzt nicht zurück, bloß weil es wieder anders kommen kann. aber ich werde mich vorsichtshalber in demut üben. ich werde meinen reichtum teilen. denn wer nichts ausgibt, kriegt nichts zurück. ich überschütte ab heute jeden den ich treffe mit liebe, freude und zuversicht. ich hab ja die kinokarten auch nicht für mich gewonnen, sondern um meinem liebsten filmfan einen schönen abend zu bescheren. und wenn ich heute abend den toyota gewinne, dann verkaufe ich ihn und finanziere damit das generationenprojekt, dass wir uns in gödelitz ausgedacht haben. puh!
Mittwoch, 3. März 2010
alter ego
wissen sie, sage ich unwirsch zu dem studenten im copyshop, sie können mich gerne mit 'sie' ansprechen. sie können doch hier nicht einfach alle duzen! dann werde ich, sagt er unverlegen, ihnen mal zeigen, wie das gerät funktioniert. wie bescheuert bin ich eigentlich, dass ich in unflätiger weise auf mein fortgeschrittenes alter poche und das dann auch noch in der unfähigkeit einfache technische geräte zu bedienen unter beweis stelle? ich setze wohl schon patina an. manmanman, frau zauder.
Donnerstag, 4. Februar 2010
fenster füllen
hier ist nichts los. ich mach das jetzt mal wie die junge frau, die unter mir das sekretariat verantwortet: ich starre in den rechner und warte, dass es vier wird. spiel ein bisschen solitaire und fühl mich nicht so verantwortlich. das tut gut. das tut fünf minuten lang gut und dann nagt es an mir, unzufriedenheit macht sich breit. ich hätte jetzt zeit, was zu essen, ich könnte mir wirklich mal was zu essen holen und es ganz in ruhe essen. ich könnte ganz in ruhe die ablage aufräumen oder an einem text weiterschreiben, ich könnte was vorbereiten für morgen. ich könnte dann zum ersten mal in diesem jahr vorbereitet sein. das kommt mir alles komisch vor. wo ich doch gerade noch so viel zu tun hatte, dass ich nicht mal zum bloggen gekommen bin, ist nun absolute stille. keiner will was - ich beginne mich in frage zu stellen. bin ich nicht mehr gefragt? ich habe sogar schon erledigt, was nicht so dringend war. ich habe alle punkte auf meiner liste dick durchgestrichen. ich habe jetzt ein entspannungszeitfenster. das setzt mich total unter druck. es klopft.
Dienstag, 2. Februar 2010
bewegungswiderstand
was mich wirklich wütend macht, ist die mit fortschreitendem alter dringlicher werdende notwendigkeit zur körperlichen ertüchtigung. ich hab ja auch nichts gegen bewegung, aber ich hab was gegen verordnete bewegung und ich habe - ehrlich gesagt - was gegen diesen meinen körper, der mir bewegung verordnen will. und schon überhaupt habe ich was gegen bewegung als signum einer wohlstandsgesellschaft, die mich von prekariatären menschen unterscheiden will, weil ich DREIMAL die woche MINDESTENS eine stunde leibesertüchtigung vollziehe, ohne die ich früh sterbe oder die krankenkassen belaste. reicht ja nicht, dass ich kein fleisch esse, fünf portionen obstundgemüse am tag vertilge, nicht rauche und gemäßigt alkohol trinke. ich meine, für frauen bedeutet das ein HALBES glas wein am tag - wozu soll ich da überhaupt alkohol trinken: um zu wissen, was ich verpasse? dazu soll ich auch noch dizipliniert und regelmäßig sport treiben: DREIMAL die woche MINDESTENS eine halbe stunde ausdauer plus gymnastik plus gerätetraining und meditation - ich meine, meditation ist dann auch das einzige, was noch hilft gegen die permanente angst wegen einer currywurst oder dem verpassten pilates-kurs vielleicht doch bereits mit 38 an einem malignem melanom zu erkranken. es wird doch so sein, dass in zehn jahren keine kasse mehr behandlungskosten bei herzkreislauferkrankungen übernimmt, weil sie uns ja schließlich eindringlich gewarnt haben: eine gesunde lebensweise schützt zu mindestens 78% vor krankheiten. das ist bewiesen. klar ist auch: wer wöchentlich 40 stunden arbeitet, kinder betreut und viel sport treibt, braucht in jedem fall einen guten coach der die lebensplanung organisiert und optimiert. da bleibt definitiv keine zeit mehr für muße, selbsterkenntnis und soziale kontakte über arbeitsplatz und kernfamilie hinaus (es sei denn, die eine stunde im monat wird im kalender vermerkt). menschen, die in der dauernden lebensoptimierungsanstrengung leben, halten - ich will es man so sagen - das system am laufen. oder anders: in der ddr hat man in zeiten der großen versorgungsengpässe den goldbroiler erfunden.
ich werde mich gegen die optimierungs- und ökonomisierungsslobby wehren, so lange ich noch kriechen kann. die scheiße ist bloß, das mir wirklich alles weh tut. leider ist draußen schneesturm und da wirds wohl mit dem waldlauf heute nichts werden. dabei hätte ich mich jetzt ganz gerne ein bisschen bewegt. so wirds wohl auf eine zweite ibuprofen hinauslaufen. ich bin jetzt im passiven widerstand.
Samstag, 30. Januar 2010
momentaufnahme
gibts was bessres als nen 2008er rioja bei kerzen, den liebsten im herzen und den perfekten soundtrack?
muss das alter sein...
muss das alter sein...
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