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Dienstag, 1. Februar 2011

alte liebe rostig

wir treffen uns vorm freibad. er schiebt einen alten hartan racer, nicht mehr das neueste modell, ich habe ein kleines bündel vorm bauch im hellblauen tuch. diesmal bleiben wir stehen. ist über zehn jahre her und seit zwei jahren grüßen wir uns auf der straße nur noch flüchtig. nun sind die zeiten anders. wir haben nun wieder was gemeinsam. wir sind wie alle: alter vater und spätgebährende akademikerin. und deiner? zehn monate. junge. trägt auch so einen namen, den meine freundin e. unter die rubrik "noch heißt man so" zählt. und, alles in ordnung? auch kaiserschnitt, aha. naja. freut mich aber für dich. mich auch. beruflich läufts auch gut für mich. wirklich, ach schön. oh, jetzt muss ich los. er will sein essen. bis dann, ja. bis dann. 

Dienstag, 9. November 2010

alle sollen aufstehen!

junge türken stehen auf, alte damen mit rollator stehen auf, mütter, vollbepackt mit einkaufstaschen, stehen auf, nur deutsche bauarbeiter mit i-pod und bier, studierende in der u3 und wichtige damen im funkkontakt STEHEN NIE AUF und boxen mir stattdessen beim schubsen in den dicken bauch  ohne dass sich jemand aufregt. wir haben damals schon in der ersten klasse gelernt: alten, kranken und schwangeren bietet man einen sitzplatz an. scheiß neue welt. heute vor vielen jahren hat das alles angefangen: das ende der solidarität. und ich muss das jetzt ausbaden.

Samstag, 30. Oktober 2010

guter morgen

es ist donnerstag kurz nach zehn. auf dem pankower s-bahnhof fährt die bahn in richtung blankenfelde ein. am zug steht: potsdamer platz. ein unüberhörbares murren ertönt aus der menge der einsteigenden fahrgäste. scheiß bahn, könn die nüscht ansagen, ick könnte kotzen. man setzt sich widerwillig. der zug setzt sich in bewegung. ein knacken in der lautsprecheranlage: "achtung liebe fahrgäste, hier kommen einige informationen von ihrem wagenführer. es ist 10 uhr 7, die s-bahn verkehrt planmäßig. heute haben wir den 28. oktober, es sind 10 grad bei wolkenlosem himmel. das wetter wird heute so bleiben und am wochenende schöner werden. ich wünsche ihnen alle eine angenehme fahrt. für alle, die heute noch arbeiten müssen, ein besonderer tip: bleiben sie fröhlich und gelassen, dann klappts auch mit dem chef." (wortlaut aus der erinnerung, original war länger) der wagen schmunzelt, der junge mann gegenüber nimmt die kopfhörer ab und beginnt schallend zu lachen. beschwingt verabschieden sich einige fahrgäste an der bornholmer mit "einen schönen tag noch!". nur die alte dame mit den einkaufsbeuteln skandiert: "aber dit se nur bis potsdamer fahren, davon keen ton." aber das will schon keiner mehr hören. ein hoch auf die marketingetage der deutschen bahn. so kundenfreundlich war nie. wir fahrn jetzt öfter ohne meckern. und der fahrer kommt auf die straße der besten.

Samstag, 2. Oktober 2010

luxusprobleme

im nachbarbezirk ist jubelstimmung ausgebrochen: endlich kann die luxuskarre wieder vor der haustür stehen, die stundenlange kurverei rund um helmi und kolle (sagt ihr so überhaupt noch?) hat ein ende und alles, was nicht dazu gehört soll draußen bleiben. nun ist man wieder unter sich und das alles für nur 10 euro im jahr. "weniger parkstress - mehr lebensqualität" wirbt das bezirksamt und darum geht es ja schließlich auch: schutz der bedrohten zonen der besserverdienenden meist westdeutscher herkunft. in kreuzberg konnte das nicht durchgesetzt werden, da müsst ihr die autos jetzt mit in die wohnung, äh in die lofts nehmen. der journalist hans-ulrich jörges - selbst anwohner der kollwitzstraße - bejubeltet auf radio eins neulich morgen die neue parkraumbewirtschaftung mit der nun endlich den arschgeweihtragenden freundinnen der weddinger bierwagenfahrer einhalt geboten wird, die vor jörges wohnung in pinten (wohl keine edelitaliener) saufen. herr jörges im ernst: kein weddinger fährt mit dem auto zu seiner stammkneipe, wenn er saufen will. die wenigsten touristen sind in berlin motorisiert unterwegs. wer also soll sein auto woanders parken? die kindergärtnerinnen, die tagsüber den zahlreichen nachwuchs der medienarbeiter_innen betreuen, die lehrer_innen und sozialarbeiter_innen, in den schulen und projekten die betreiber_innen der trendigen schuppen, in denen ihr morgens mittags abends eure ingwerlatte to go holt? wahrscheinlich gab es am freitag morgen schon ein böses erwachen: als nämlich an allen autos vignetten klebten und trotzdem kein parkplatz zu finden war. denn wahrscheinlich habt ihr einfach zu viele autos vor den eigentumswohnungen. weil ihr das so gewohnt seid. wir alteingesessenen haben gar kein eigenes auto. wozu auch? trotz bahnchaos, nächtlichem pendelverkehr und bombenfunden  in der innenstadt sind wir immer noch schneller mit den öffentlichen unterwegs als mit den stinkenden großkarossen und billiger ists auch. mal ehrlich: habt ihr keine anderen sorgen, als dass ihr euch jetzt von einer freiwilligenarmee aus ein-euro jobbern eure parklücken sichern lasst, die gerade mit fünf euro mehr bedarfssicherung abgespeist werden, von denen sie sich nicht mal mehr ein bier leisten dürfen geschweige denn ein auto? ist die parkraumbewirtschaftung die adäquate antwort auf fragen der lebensqualität und des umweltschutzes? dann bin ich irritiert. ich glaube, ich habe  nach zwanzig jahren die demokratie und den kapitalismus noch gar nicht verstanden.

deshalb bin ich ja auch keine führungskraft und muss weiter draußen wohnen: unsaniert mit sporadischer warmwasserversorgung. es ist nämlich bei uns gar nicht so, wie im jüngsten zeit-reiseteil beschrieben. wir wohnen nämlich gar nicht in den neuen townhouses und auch nicht in den alten majakowskivillen. wir gehen auch nicht ins gasthaus und essen zu überteuerten eine "vermählung von steinbeißer mit wild gefangenem lachs". in unserem wohnzimmer  sitzen wir mit dicken filzbotten, weil unter uns keiner mehr wohnt, denn warum soll man die olle hütte günstig vermieten, wenn sich im nächsten jahr nach tegel das dreifache rausholen lässt? wir haben genug zum leben, aber nicht viel übrig für die lofts in der alten mälzerei. wir stopfen bücher, kind und unsere schreibtische in eine bezahlbare dreizimmerwohnung und haben angst, dass wir hier nicht mehr lange bleiben, wo wir doch irgendwann mal mehr platz brauchen. denn es ist  eine lüge, dass es hier noch bezahlbaren wohnraum gibt. und keine gentrifizierung. auch luxusprobleme, geb ich zu. die wohnung hat immerhin 90 quadratmeter, aber für eine nobelkarosse vor der tür reichts dann eben nicht mehr. und wir wolln auch nicht so tun als ob. mit den tabatabais und trittins haben wir wirklich nicht viel gemein. aber uns fragt ja keiner. vielleicht wäre es zeit, diese differenz nicht mehr zu verschleiern, da stimme ich jana hensel voll und ganz zu. aber um (das) zu verstehen, muss man sich erst mal aus dem häuschen wagen und da hilft es, ab und an zu fuß durch die gegend zu stapfen und zu sehen, wie die leute so leben. wer sich im geschützen blechkäfig nur zwischen mitte und pb bewegt und dabei sogar die paar schritte vom wagen zur wohnungstür scheut, der ist sich doch immer nur selbst der nächste und in meinen augen von einem realistischen blick sehr weit entfernt. zum feiern ist mir wirklich nicht zumute.

Montag, 13. September 2010

ich finde...

... nach wie vor nicht gut, dass/ was alice schwarzer in BILD schreibt. andere sehen das anders. schön kommentiert von der mädchenmannschaft.

und noch was: jedes zweite wochenende im september bleibe ich zuhause, denn das ist "fest an der panke". jedes jahr wird das schlimmer. früher kamen an diese tagen freunde aus westberlin, man tingelte am künstlerboulevard, kam hier und da ins gespräch, kaufte grafiken usw., dann etwas später gabs immer noch viel pankower künstler an der ossietzkystr., eine kleine bühne mit anspruchsvollem lokalem programm, daneben einen kuchenstand, abends feuerwerk, straßentheater und wir saßen bis in die nacht und lauschten, tranken, pallaverten. sahen uns und wurden gesehen. klar, gabs da auch schon das rumtata, aber weit weg. heute gibt es fast nur das prollprogramm. blasmusik, schlechte schlager und noch schlechtere bratwürste, nur noch die hälfte der stände, der künstlerboulevard längst sowie so schon zum kunsthandwerksmarkt verkommen, ist nur noch halb so lang und jetzt abseits in der schulstraße, keine schilder, die darauf hinweisen, clown lulu und dröhnende schottendudler geben das kulturprogramm. selbst die kinder sind davon genervt. es ist gräßlich, lieblos und das ist nicht pankow. man hört, dass eine bestimmte veranstaltungsagentur nun das ganze verantwortet. die sollen mich mal anrufen, ich sag ihnen, was da schiefläuft. mittlerweile machts die gesobau besser, das jazzfest im bürgerpark zeigt, dass es mit niveau geht. wir treffen uns  mittags im rosenrot, abends vorm amalienpark und morgens im canapee und sind sauer. sauer über einen bezirk, der so kulturlos daherkommt, dass man sich schämen muss. sauer, dass es an der straße vorne nicht weitergeht, dass baustellen den blick auf den anger verstellen, auf den wir so stolz sind. sauer, dass hier offensichtlich niemand ein konzept hat oder will oder kann. dabei leben wir hier schon immer, dabei haben wir hier mal politik gemacht,  vereine gegründet, an runden tischen gesessen, theater gespielt, alternative kultur etabliert, dutzende alte wohnungen aufgemöbelt und mittlerweile lassen wir hier trotz flugzeugen prenzlberger mieten. und dabei ist ja auch vieles von allem noch da. man muss es nur (zeigen) wollen. dieser bezirk hat uns einfach nicht verdient.

Dienstag, 7. September 2010

musik zum hingehen

am 18. september spielt die frau im grünen salon, die mich seit über einem jahr verzweifelt bestärkt endlich wieder musik zu machen. vielleicht hilfts ja. wir sehen uns also.


Freitag, 30. Juli 2010

wo wir sein werden

im august werden wir endlich wieder im fellas sitzen und schnitzel verspeisen (nur der gatte), zander auf berglinsen (nur ich) oder schwabenkraft. wir werden endlich wieder gut  und vertraut essen und wissen wo wir hinwollen sollen. wir sind (fast) echte berliner, wir sind treue seelen, wir essen nebenan, wir gehen immer die gleichen wege, wir wollen nichts neues. wir wollen das alles immer so schön bleibt wie es schon die letzten zehn jahre war. wir wollen uns nicht entscheiden müssen. abschied fällt uns schwer. unser herz blutet bei jedem neuen conceptstore. wir wollen den alten schreibwarenladen zurück. die hippe city kann uns mal. in der neuen schönhauser sind wir touristen. bei rainer und renate sind wir zuhause, weil das frühstück dort ohne schnickschnack ist, dafür mit liebe gemacht. weil die bratwurst mit geduld gegrillt wird, weil die kinder hier anschreiben lassen und einen fußball borgen. so soll es sein.

Montag, 28. Juni 2010

einer grillt immer

es ist freitag nachmittag und im hof nebenan wird aufgerüstet: plastegarnitur, holzkohlegrill, spiritus (!) und jede menge fleisch. samstag grillen dann die kollegen weiter hinten im hof vor dem fernseher und die von nr. 3 haben sowieso mal wieder kindergeburtstag mit hüpfburg.  abends  noch ein gemütliches feuerchen fürs gemeinschaftsgefühl. soweit so jeden sommer. wir halten die fenster geschlossen. am sonntag aber ist keiner mehr zu halten.  ab 15 uhr qualmen die  kohlen, der deutsche kleingärtner ist in seinem element. leinwände werden in den bäumen verankert  (3 pro hof), fähnchen montiert und die gesamt nachbarschaft rückt zum entscheidenden kampf. auch unser haus beamt sich das ereignis groß. wir knabbern zivilisiert ein paar nüsse, die kinder kabolzen im trikot. drogba ist ganz vorne. deutschland gewinnt, die stimmung ist gut, dann gibt es abendbrot. wir essen kartoffeln mit quark auf dem balkon, eine wolke spiritus versaut die stimmung. im nachbarhof wird jetzt jedes spiel begrillt. es bleibt lange laut und fettig. wir flüchten in den park zu lauer abendluft. eine großfamilie aus dem nachbarbezirk hat von einem wiesenstück besitz ergriffen. federballnetz, liegestühle, drei tische, zwei große grillanlagen. rauchschwaden ziehen durch die luft. der reiher hat sich verzogen. angesichts der großen leistungen unserer multikulturellen mannschaft bleibe ich tolerant. ich liebe meine stadt.

Dienstag, 20. April 2010

nachtflugangst

ich habe eben mein erstes flugzeug gehört. ach, was waren das für zeiten. heute soll es so weit sein: sie sollen die ganz nacht durch fliegen. also fenster zu, wenig schlaf, wackelndes bett. das zweite flugzeug (ach, es sind nur die ausnahmeflüge, aber bald), das dritte: hör ich schon geister oder sind das autos auf kopfsteinpflaster? wie wäre es mit einer großräumigen straßensperrung rund um die schlossparkgebiete? nur für fahrräder durchlässig? heute abend kommt der mann von der mieterverwaltung. wir könnten das mal ansprechen. wäre ja in beiderseitigem interesse.

Freitag, 16. April 2010

ich denke auch an friedrichshain

ich mag ja friedrichshain ehrlich gesagt nicht so, das war schon früher so als da noch renate und wolfgang wohnten und wir immer sylvester in der samariterstraße gefeiert haben, irgendwann in den ganz frühen achtzigern als ich noch klein war.  ich war auch in den ganz frühen neunzigern nicht so gerne da, als meine damals noch nicht beste freundin geprügelte hausbesetzer beherbergte in ihrer lustigen wohnung mit ausziehbadewanne unter der spüle in der küche und als ich heute nach langer zeit  mal wieder am bersarinplatz (das ist übrigens auch so ein ding, dass berliner ja bersari:n betonen, wo der junge doch sowjetbürger war und bestimmt bersa:rin heißt, das ist wie mit chodowiecki, den wir alle schodowicki nennen) vorbeifuhr und den alten zierfischeladen (es gibt übrigens ein zierfischforum)  geschlossen gesehen habe und mich dann an der wühlisch verfuhr und nicht mehr durch kam nach treptow und da alles irgendwie immer noch so düster war wie früher, als ich das schon nicht mochte, da war ich trotzdem lieber in friedrichshain als in neukölln. aber am liebsten bin ich in pankow, wo die straßen breiter und der blick weiter ist und seit heute ist auch ruhe da, wie der kollege aus dem randgebiet schreibt und die bezirksmannschaft fröhlich kommentiert. deshalb habe ich den film auch zuhause gesehen, im blauen affen, wo ich auch in meinen ersten sciencefictionfilm war, sowjetischen sciencefiction, äh so hieß das bestimmt nicht und auf den titel komme ich auch nicht, ich hab in diesen dingen so ein schlechtes gedächtnis - das wird mich noch mal einholen, das ich mir alles nur assoziativ und affektiv merke, aber nie was genaues weiß. ich merke mir selten was, außer namen. ich vergesse meist was vorbei ist. ich bin auch nicht nachtragend. ich kann mich einfach nicht mehr erinnern. ich bin gedanklich mehr so ein kurzzeittyp. mir fehlt der speicherplatz, den ich brauche, weil ich immer ganz schnell ganz viel unmögliches zusammendenke. assoziativ eben. aber da bin ich voll da! beim boxhagenerplatz-film im blauen stern bin ich abgedrifftet. ich dachte an die sonnscheinoma und ihre fünf männer, an den krieg, die russen, stalin und das schweigen. ich dachte an den garten in friedrichsfelde, oma meier, opa kurt und die latschen und an den tierpark, komischerweise. wenn ich an meine kindheit denke, denke ich immer an den tierpark und das tigerbaby. ich denke, jedes ostberliner kind hat ein photo mit tigerbaby oder pferd. auf das pferd habe ich mich nicht raufgetraut. also tiger, sonnscheinoma und das zweifelnd in die kamera blinzelnde zauderkind. dann durch den hintereingang am schloss lang bis zum garten laufen, softeis kaufen, roller fahren, grillen, morgen früh wenn gott will, fensterladen auf, sommer: dicke fette omaliebe von morgens bis abends. 12 russen, 5 männer und so ein großes herz: wer sorgen hat, hat auch likör. daran musste ich denken. und dafür ist es ja gut, dass der algorithmus vom modersohnmagazin mir einen kinogutschein beschert hat. und einen eisgutschein für den boxhagener platz. ich fahr also noch mal hin. mal sehen, was so passiert. 

sorgen los

wenn die sorgen mich drücken, die gedanken sich verheddern oder wenn ich mal ganz glücklich bin, dann gehe ich mit meinem beutel um die ecke ins rosenrot (hat keine website, verlinke ich auch nicht, muss man schon kennen oder finden) und spendier mir heidelbeer- oder mohnschmand- oder (wie heute) einen apfelkuchen im glas. sowas wunderbares habe ich noch nie gegessen, würde ich auch nie allein hinkriegen, nicht mal oma selig könnte da mithalten: das ist reine glückseligkeit. und draußen scheint die sonne und die linden schießen blätter raus und tauchen meinen blick in: (haha) lindgrün. 

dabei ist eigentlich gar nicht alles gut oder mal wieder alles offen, was ich ja gar nicht mag. alle gehn weg und ich bleib da. ich bin ja die, die immer da bleibt: frau zauder, frau zwischen den stühlen, frau große ideen später, frau ich weiß nicht so genau, frau ich kann doch hier nicht weg. und die gerade auf dem abflug sind, haben schon alles hinter sich gelassen und  winken nicht mal aus der ferne und ich denke an den alten wenzel: ich bin die ganze zeit nur hiergeblieben. ist gehen mutig oder bleiben? mach ich mir eben auch ein lied, ess kuchen solange und spiele ein bisschen mit meiner piko-eisenbahn...

Mittwoch, 3. März 2010

unschuld

es kommt vor, dass ich am abend vor dem einschlafen noch lese. gemeint ist damit nicht das kataloge- oder frauenzeitschriftenblättern, dass ich allabendlich vornehme, sondern die aktive rezeption eines buches belletristischer art. ich lese nicht oft. das ist berufsbedingt. wer den ganzen tag liest, will am wochenende und am abend mal ausspannen. wenn ich aber lese - weil mein befreundetes und verwandtes umfeld mal wieder dachte, mit büchern kann man bei mir nichts falsch machen - dann lese ich keine mädchenwunderromane, dann lese ich heimatliteratur. ich lese christoph heins "frau paula trousseau". herr hein ist mein nachbar, ich treffe ihn oft beim bäcker oder beim obstmann. ich kenne sein trauriges schicksal, weil sein sohn bücher darüber schreibt. ich denke oft: man, der arme herr hein. und ich sage zu meinem mann, starr den herrn hein nicht so an, der ist auch nur ein mensch. neulich saß ich in der straßenbahn neben ihm und mit uns ein mann, der herrn hein sofort auf literatur ansprach, die früher besser, substantieller und näher am (werktätigen) menschen war. ich weiß nicht, ob herr hein diesen mann von früher kannte oder aus der nachbarschaft, aber er unterhielt sich sehr freundlich mit ihm und diese menschennähe hat mich sehr für ihn eingenommen. sonst ist er ja eher schüchtern, aber als schriftsteller nimmt er seine verantwortung wahr. das gefällt mir. und gestern las ich bei ihm:
Ein weißes Blatt, eine leere Leinwand, das ist etwas Heiliges, das man zu berühren sich scheuen sollte. Es ist ein Tabu, verstehen sie? Und ein Tabu, das heißt groß oder gar nicht berühren.
ich musste an die materialität eines textes denken, die widerständigkeit des blattes gegen die schrift. die angst, ja eben auch die ehrfurcht vor dem weißen blatt, das gefüllt werden wollte/sollte, früher, als man noch den füller ins papier drückte oder die  buchstaben mechanisch einschlug in die matritze. es ist etwas anderes als tasten zu drücken, die kein papier mehr berühren. meine texte heute lassen diese kommunikation zwischen meiner hand und dem gegenstand, den sie beschreibt, nicht mehr zu. es ist ein schreiben zweiter ordnung. ich weiß nicht mal mehr wie die kleinen schlegel heissen, die ich einmal mit schmerzenden fingern mechanisch auf ein papier mit durchschlag gehämmert habe. heute fällt mir das schreiben leichter, ich muss die grenze zwischen blatt und gedanken nicht überschreiten. meine gedanken sind mit dem bildschirm und der tastatur verwachsen, ich taste den ganzen tag auf telefonen und  leich-pcs buchstaben zu wörtern - immerhin bin ich damit fast noch analog. mit meiner tastatur schreibe ich den text nicht mehr eigentlich, ich organisiere ihn, ich copypaste mich durch gehirn, rechner und netz gleich in ganzen sätzen, ach was: ganzen textpassagen. und der bildschirm wehrt sich nicht. er liefert nur immer neue bausteine, nicht buchstabe für buchstabe, sondern zitat für zitat für zitat. schreiben ist heute keine kunst mehr und kein tabu. jede_r schreibt alles. ich wünsche uns die unschuld zurück und die ehrfurcht und ich möchte vor allem nicht, dass herr hein mir seinen text erklärt. er spricht für mich.

zitat aus: christoph hein: frau paula trousseau. frankfurt a. m. 2007, s.179.

Dienstag, 2. März 2010

herr krueger aus pankow

neuigkeiten aus dem stadtbad erzählt niemand schöner als herr krueger. musste an dieser stelle mal gesagt sein. auch aus lokalpatriotischen, generativen und n-ostalgischen gründen. allerdings muss über einiges andere noch mal geschrieben werden:
  1. pankow liegt da, wo der prenzlauer berg aufhört - sehr jenseits der schönhauser!
  2. in pankow gibt es schon lange keine schwimmhalle mehr und im thälmannpark werden die rentner rar!
  3. die straßensanierungsarbeiten dauern bis 2013 - kein grund also mit den bagoobuggys in den schlosspark zu gondeln!
  4. zuhause ist es immer am schönsten!

vorhaben

ick jewinne dem liebsten und mir jetzt zwei kinokarten und wir schuchteln nach friedrichshain zum eisessen - so sehn wa ma wat vonne welt und jenießen liebe im frühling. der kapitalismus und die blogospähre haben auch ihr gutes. aber trackbacken geht nicht bei blogger. ach menno.

Montag, 22. Februar 2010

mensch meier

bvg I - u2 richtung theodor-heuss-platz:
vier personen in ausgelassener stimmung betreten den wagen. die fahrausweise! kein lichtbildausweis zum semesterticket. los aussteigen: personenstandabfrage. (seit ich in besitz eines semstertickets bin, wurde noch niemals mein ausweis verlangt.) ein zweiter kontrolleur: dit ham wa jerne, keen ausweis dabei haben, dit sind die richtigen. solche wie dich kenn wa. -würden sie bitte aufhören mich zu beschimpfen. ich möchte gerne ihren dienstausweis sehen. - kannste abhaken. - ich habe leider keinen personalausweis, weil ich vor kurzem bestohlen worden bin. -interessiert mich nich. mein mann ist mit mir ausgestiegen und mischt sich ein, zum "pöbler": lassen sie bitte die frau in ruhe. -ick kann hier anpöbeln wen ick will, ick bin ja keen kontrolleur. -ich möchte sie noch mal bitten, mir ihren dienstausweis zu zeigen und mir die nummer ihres vorgesetzten zu geben. -muss ick nich, steht allet uffm zettel, hier macht ja keener irgendwat. -ich werde jetzt die polizei rufen, wenn ich weiter so behandelt werde. fluchtartig verlassen alle vier personen den bahnhof.

in der bvg-kontakstelle nimmt man telefonisch meine beschwerde auf. -das müssen sie sich nicht gefallen lassen. bitte schreiben sie ein gedächtnisprotokoll und schicken sie das an das beschwerdemanagement der bvg. 

bvg II - u2 richtung theodor-heuss-platz, der morgen danach:
zwei männer betreten den wagen, darunter der "pöbler", der angeblich nicht für die bvg arbeitet. die fahrausweise! ich zeige pass und semesterticket - ich denke, sie sind gar kein kontrolleur. -ick kenn dich nich! und nochmal - ick kenn die olle nich. der andere kontrolleur zieht den mann weg. es riecht nach alkohol. die anderen fahrgäste sind empört. ich habe mir die nummer des dienstausweises notiert.

bvg III - u2 richtung ruhleben, der morgen danach:
zwei männer betreten den wagen, der kontrolleur des ersten tages und der "pöbler". die fahrausweise, bitte! ich zeige pass und semesterticket. - deinen namen wer' ick mir merken.
ich schreibe drei lange seiten an das beschwerdemanagement der bvg: sehr geehrte damen und herren usw. würde sie freundlich bitten, den vorfall zu prüfen und gegebenfalls ein disziplinarverfahren gegen die kontrolleure einzuleiten. 

ich überweise 40 euro, weil ick keinen bock auf weitere auseinandersetzungen im kundencenter habe.

bvg IV - post der bvg:
sehr geehrte frau zauder,  in bezug auf usw. teilen wir ihnen folgendes mit. sie konnten kein amtliches personaldokument vorweisen, wozu sie laut blablabla verpflichtet sind. zur ihren vorwürfen wurden die mitarbeiter befragt: sie verhielten sich auf dem bahnsteig unpassend und beschimpften die mitarbeiter lautstark. auch stieg mit ihnen kein weiterer fahrgast aus, bzw. hielt sich in unmittelbarer nähe auf. nur unter protest füllten sie das formular zu personalienüberprüfung aus. zu keinem zeitpunkt erwähnten sie ihren gestohlenen personalausweis. die kontrolleure beteuerten, mehrmals ihre dienstausweise gezeigt zu haben usw. die fakten sind eindeutig. nach überprüfung unserer unterlagen geben wir ihnen nochmals die möglichkeit, eines der oben genannten personaldokumente in unserem kundenbüro vorzuzeigen. wir werden den vorgang dann erneut prüfen. mit freundlichen grüßen...

bvg V - fristgerecht, kundenbüro:
ich betrete über einen schmuddeligen hinterhof die servicezentrale der berliner verkehrsbetriebe. während ich noch nach orientierung suche, bedeutet mir eine dame mit akzent unmissverständlich: die zahlungungsaufforderung! - ich habe keine zahlungsaufforderung, ich möchte... - dann sind sie hier falsch! - ich möchte... ich bekomme eine nummer. lange warten muss ich nicht, der mann am schalter ist freundlich und liest mir vor, was die kontrolleure in die betreffzeile zu meinem vorgang eingetragen haben: sehr uneinsichtig! den rest habe ich vergessen. bei einer zivilklage wird dieser kommentar anerkannt. dazu raten würde er mir aber nicht.

anerkennung für die berliner verkehrbetriebe.

nachtrag:
s-bahn I - s1 richtung frohnau, abends, -16 grad:
30 minuten wartezeit lichterfelde west, am nordbahnhof: bitte alle aussteigen, der zug wird ausgetauscht. im ausgetauschten zug, der bis gesundbrunnen fährt: die fahrausweise bitte! der ganze wagen lacht. - entschuldigen sie, liebe fahrgäste, ich weiß auch nicht, was das hier soll. bitte lassen sie ihre fahrausweise stecken und verzeihen sie nochmals die störung. 

wir applaudieren.




Montag, 1. Februar 2010

eiszeit

verkehrschaos in zeiten der globalisierung - analysiert in der taz. lesen!

Mittwoch, 30. Dezember 2009

das letzte

ich weiß nicht genau, was ich schlimmer finde: hundekacke, die mütter vom kollwitzplatz oder die kollegen vom pankower ordungsamt, die ja eher wild auf fahrradfahrer sind als auf hundehalter. könnten die nicht die kacke aufsammeln, während die mütter mit den göhren auf dem hundespielplatz toben: dann wäre doch alles in butter und wir könnten am kolle endlich wieder nachts in den seilen hängen mit nem bier und auf die guten alten zeiten trinken. prost neujahr!