die rechtslage sieht so aus: mutti kann ihre schutzfrist mit anschließender aufzuchtszeit wahrnehmen und bekommt dafür mutterschaftsgeld und einen ausgleich vom arbeitgeber bis zur höhe des durchschnittlichen nettogehaltes der letzte drei monate vor beginn des mutterschutzes. dieser ausgleich wird nach dem aufwendungsausgleichsgesetz von den krankenkassen an den arbeitgeber in vollem umfang (bei kleinen betrieben zu 80 %) zurück erstattet. aus diesen mitteln können sollen müssen vertretungsstellen finanziert werden. das gilt auch bei individuellem beschäftigungsverbot. die rechtspraxis sieht so aus: die vertretung wird erst ab elternzeit finanziert, die zukünftige mutter wird im 5. monat der schwangerschaft darauf hingewiesen, dass die geburt ihres kindes ja nicht verbindlich gewährleistet werden könne und außerdem das geld nicht da sei - was ja nach der rechtslage eine falschauskunft im sinne einer schnöden einsparungsmaßnahme ist. der rest ist frauen- und elternfeindliche rhetorik. zukünftige mutti sorgt sich seitdem um ihre kollegen - die vier monate mehr arbeit machen müssen ohne ausgleich - und die zukunft ihres projektes - was so nicht weiterlaufen kann, wenn die arbeit nur halb getan wird. außerdem steht eine vertreterin in der spur, die nicht weiß, ab wann sie was vertritt. es werden auskünfte eingeholt, briefe geschrieben, verbündete gesucht, nerven gelassen und unnötige kämpfe geführt. die arbeit wird nicht gemacht, stattdessen wird an der rechtfertigung gearbeitet und die relevanz des ganzen arbeitsgebietes überhaupt zur disposition gestellt. nur weil sich madame anmaßt, ein kind zu bekommen. und das an der gerade erneut ausgezeichneten familienfreundlichen hochschule deutschland. das geht eben nicht nur auf dem papier, in form von maßnahmen. das ist eine kultur. nachdem sich die deutsche akademikerin jahrelang in den dienst der institution gestellt hat, kriegt der verwaltungschef nicht mal ein formal-müdes: herzlichen glückwunsch über die lippen, als er von der bevorstehenden elternschaft erfährt. dem vater des kindes wird im exzellenzzentrum keine elterzeit zugestanden und mutti muss sich um den fortbestand ihrer bisherigen arbeitsergebnisse selber kümmern. so wirds wohl nichts werden mit dem zahlreichen nachwuchs der gebildeten schichten. weil keiner begreift, dass man das auch beherzigen muss, was man sich in die statuten schreibt. und weil die falschen leute auf den entscheidungstragenden posten sitzen. mein sohn wird feminist. mit der muttermilch und notfalls mit judith butler zum einschlafen soll er das aufsaugen: das diese gesellschaft noch lange nicht verzichten kann auf das angehen gegen hegemoniale strukturen, so verdeckt sie auch als 'private probleme' getarnt sein möchten. das politische trifft einen immer privat - das sagte ich schon und andere auch. mehr lesen bei anderen frauen und frauinnen.
Montag, 6. September 2010
in erwägung unsrer dummheit
angesichts der morgendlichen zeitungsschau bin ich sprach- und ratlos: warum kommentiert frau schwarzer der kachelmannprozess in bild? der frühstücksdirektor vermutet noch so etwas wie missionarischen ethos, ich tippe schlicht auf geldgier. so viel zum thema: ideale verraten. die regierung (darf man das, was da das land aus der, na sagen wir mal: demokratie reitet, noch so nennen?) hat da weniger probleme, weil nie ideale gehabt. blanker lobbyismus. und ewig strahlt das atomkraftwerk. das wollen die uns jetzt als große stunde der ernergiepolitik verkaufen. für wie blöd haltet ihr uns? klar, wenn bild das bild-un(g)s-niveau schafft, auf das wir uns jetzt einigen wollen, dann schlage ich vor, kostenlose bildzeitungen an integrationsunwillige migrant_innen zu verteilen. und sarrazin braucht sowie einen neuen posten. ehrlich gesagt, finde ich zynismus aber nicht mehr die richtige strategie. es reicht auch nicht zu sagen, dass wir nicht mehr einverstanden sind. es ist zeit, dass wir euch jetzt öffentlich in den arsch treten, denn ich möchte nicht, dass meine kinder und enkel in einem land aufwachsen, in dem mehr als die hälfte aller menschen befürworten oder nicht mal mitbekommen, dass der ausverkauf der werte das gewissen kostet. "das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen": ökonomie hat mit ethik nichts (mehr) zu tun. wer nicht bereit ist, sich den grundrechten der menschlichkeit und einer demokratischen verfassung verpflichtet zu fühlen, der hat hier keine entscheidungen zu treffen. da müssen wir ganz früh anfangen und ich pläderiere für die politisch-moralische zwangsbildung bereits der allerkleinsten kinder von cdu- und fdp-wähler_innen, wirtschaftsbossen und vorstandmitgliedern. und im morgenkreis sprechen alle nach: du sollst nicht lügen, du sollst nicht töten, du sollst deinen nächsten lieben wie dich selbst! und wer das im vorschulalter noch nicht begriffen hat, der macht noch mal einen kurs.
Mittwoch, 25. August 2010
das wäre ihr preis gewesen
eine woche born in kleinem häuschen, boddenblick, mit dem fahrrad zum weststrand, teeschale, in prerow fisch bei rennhack, abends (na gut kein rotwein, aber immerhin) apfelschorle auf der terasse. das ersehnte meer. so sollte das sein. nach einem fiesen wochenende mit bauchweh und angst, sah man dann vom krankenhausfenster aus immerhin die haftanstalt, wecken morgens um 6:30 zur intravenösen therapie, doppelzimmer, eine labbrigen teebeutel in lauwarmen wasser als frühstücksgetränk, dazu komissbrot mit edamer. bei der medizinischen versorgung haben sie sich mehr mühe gegeben. ich könnte trotzdem kotzen. von meinem sofa aus merke ich, dass es langsam herbst wird: die ranken färben sich rot und die bäume wiegen sich wilder im wind. alles geht langsamer, es schöpft sich nicht mehr aus den vollen. die sehnsucht ist größer als die möglichkeiten. ich habe jetzt schonfrist und nach der schonung ist winter. dann kommt das kind, dann habe ich wieder schonfrist und dann geht es schonungslos weiter. das ist also die freudige erwartung, die gute hoffnung, das mutterlos: tragen ist ertragen. lasst mich in ruhe mit den beschwichtigungen (das gehört eben dazu, man kriegt ja auch was dafür - ruh dich mal richtig aus, später kommst du nicht mehr dazu - deine probleme möchte ich haben, wochenlag frei bei vollem gehalt), mein eigenenes schlechtes gewissen ist bergehoch: wenn sich die unzufriedenheit (ich will arbeiten, ich will aktiv sein, ich will mich nicht verändern, ich will ich will ich will) über mir auskippt tonnenschwer, was sage ich dann dem kind. jetzt kriegt es die schlechten gefühle und wird später lesen im virtuellen archiv, dass ich das so nicht gewollt habe. also kind, nicht dich nicht, aber das nicht. so nicht. deine mutter ist eine anpassungslegasthenikerin. die stellt sich nicht einfach von heute auf morgen um. reicht schon das wort: mutter. was hat das mit mir zu tun? für diesen zustand habe ich kein programm, keine sehnsuchtsbilder, nur nackte realität, die mich täglich in die schranken weist. dass das jetzt so nicht mehr geht. aber wie dann? keine flasche rotwein für eine weile seelenfrieden, kein meer für den klaren blick. der koffer bleibt unter bett. ich komm hier nicht mehr raus. ich kann nicht mal kurz wegrennen. mir fehlt die puste. und der lange atem. was soll ich mich aufhübschen, wenn man mir doch ansieht, dass ich für nichts mehr in frage komme. ich lasse mein geld jetzt im babyausstatter und im umstandsmodeshop. das hilft nur bedingt gegen den frust. das ist nur einer von den kompromissen. das, was eben geht. und gegen das alles sind deine kleinen gliedmaßen, mein kind, das einzige argument: purzelbäume im bauch. kleine glücksgluckser, die unbeirrt all meiner inneren kapriolen ihren eigenen rhythmus zappeln. du wächst und übst für das leben draußen. und ich soll dir dann erklären wie das geht: das leben. das machen wir. nächstes jahr, wenn wir am meer sitzen bei leisem wellenrauschen und du hast sand im mund und kannst lauter kreischen als die möwen. dann gieß ich mir ausnahmsweise noch ein zweites glas nach und sage: guck doch mal, wie schön das ist! und du seufzst ein bisschen, sagst babababa und alles ist gut.
Freitag, 6. August 2010
entschuldigung, das muss mal sein
du sollst sagen, dass du glücklich bist
du sollst, sagen, dass du dich freust
du sollst gelassen sein
du sollst (moderat) sport treiben
du sollst dich gesund ernähren (keine alkohol trinken, keine rohmilchprodukte essen)
du sollst dreimal am tag deinen bauch ölen und massieren
du sollst auf deine atmung achten
du sollst jedem sagen, wann es soweit ist und was es wird
du sollst dir all die geschichten anhören
du sollst nicht immer nur DARÜBER reden
du sollst motiviert arbeiten
du sollst noch ganz viel schaffen wollen
dann sollst du nicht mehr arbeiten (wollen)
dann sollst du dich ganz auf deine neue rolle konzentrieren
das sollst du wirklich wollen (es ist die schönste zeit im leben!)
du sollst deinen partner einbeziehen
du sollst auch partnerin bleiben
du sollst erotisch wirken
du sollst weiter sex haben
du sollst gummizughosen mit würde tragen
du sollst gut informiert sein
du sollst alles regeln
du sollst die veränderung bejahen (alles wird anders!)
du sollst auf alle schwierigkeiten gefasst sein (glaub bloß nicht, dass das einfach wird)
du sollst noch einmal alles machen, wozu du dann nie mehr kommst
du sollst die zeit genießen
du sollst nicht jammern (du hast jetzt verantwortung!)
du sollst den ganzen tag lächeln
man soll es dir anssehen
du heißt jetzt mama mutti unsere schwangere
du bist jetzt eine von denen
du kannst dein ego abgeben (wird nicht mehr gebraucht)
du hast es schließlich so gewollt
du sollst, sagen, dass du dich freust
du sollst gelassen sein
du sollst (moderat) sport treiben
du sollst dich gesund ernähren (keine alkohol trinken, keine rohmilchprodukte essen)
du sollst dreimal am tag deinen bauch ölen und massieren
du sollst auf deine atmung achten
du sollst jedem sagen, wann es soweit ist und was es wird
du sollst dir all die geschichten anhören
du sollst nicht immer nur DARÜBER reden
du sollst motiviert arbeiten
du sollst noch ganz viel schaffen wollen
dann sollst du nicht mehr arbeiten (wollen)
dann sollst du dich ganz auf deine neue rolle konzentrieren
das sollst du wirklich wollen (es ist die schönste zeit im leben!)
du sollst deinen partner einbeziehen
du sollst auch partnerin bleiben
du sollst erotisch wirken
du sollst weiter sex haben
du sollst gummizughosen mit würde tragen
du sollst gut informiert sein
du sollst alles regeln
du sollst die veränderung bejahen (alles wird anders!)
du sollst auf alle schwierigkeiten gefasst sein (glaub bloß nicht, dass das einfach wird)
du sollst noch einmal alles machen, wozu du dann nie mehr kommst
du sollst die zeit genießen
du sollst nicht jammern (du hast jetzt verantwortung!)
du sollst den ganzen tag lächeln
man soll es dir anssehen
du heißt jetzt mama mutti unsere schwangere
du bist jetzt eine von denen
du kannst dein ego abgeben (wird nicht mehr gebraucht)
du hast es schließlich so gewollt
Freitag, 30. Juli 2010
wo wir sein werden
im august werden wir endlich wieder im fellas sitzen und schnitzel verspeisen (nur der gatte), zander auf berglinsen (nur ich) oder schwabenkraft. wir werden endlich wieder gut und vertraut essen und wissen wo wir hinwollen sollen. wir sind (fast) echte berliner, wir sind treue seelen, wir essen nebenan, wir gehen immer die gleichen wege, wir wollen nichts neues. wir wollen das alles immer so schön bleibt wie es schon die letzten zehn jahre war. wir wollen uns nicht entscheiden müssen. abschied fällt uns schwer. unser herz blutet bei jedem neuen conceptstore. wir wollen den alten schreibwarenladen zurück. die hippe city kann uns mal. in der neuen schönhauser sind wir touristen. bei rainer und renate sind wir zuhause, weil das frühstück dort ohne schnickschnack ist, dafür mit liebe gemacht. weil die bratwurst mit geduld gegrillt wird, weil die kinder hier anschreiben lassen und einen fußball borgen. so soll es sein.
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